Waffen, Morde, Drogen: Der Mafiapate Sedat Peker greift die türkische Regierung an und enthüllt angebliche Machenschaften des Kreises um Erdoğan. Das bringt auch den Präsidenten in Bedrängnis.

Er ist ein verurteilter Mörder, lebt im Exil und wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Trotzdem ist Sedat Peker zum Star in der Türkei geworden. In seinen Videos enthüllt der Mafiaboss brisante Details über angeblich illegale Machenschaften von führenden Mitgliedern der türkischen Regierung. Er erzählt von Verbindungen zwischen den Vertrauten von Recep Tayyip Erdoğan und der Unterwelt. In den mehr als einstündigen Monologen geht es um Drogen, Waffen und Mord. Dabei sitzt Peker mit aufgeknöpftem Hemd und goldener Halskette an einem Tisch, poltert, schreit teilweise. Damit trifft er den Nerv der türkischen Bevölkerung, die schon lange das Gefühl hat, auch von korrupten Politikern regiert zu werden.

Die angeblichen Enthüllungen des Mafiabosses bringen den türkischen Präsidenten und seine Regierung immer mehr in Bedrängnis. Obwohl er ein Anhänger von Erdoğan ist, will Peker sein Wissen nutzen, um für sich Straffreiheit zu erpressen. Der Präsident und die AKP reagieren zögerlich. Ihr Problem: Peker hat Insiderwissen, stand ranghohen Politikern nahe und ist bei den Bürgern beliebt.

Seine Beliebtheit hängt auch mit dem Unterhaltungswert seiner YouTube-Videos zusammen. Seine Vorwürfe klingen wie aus einer Krimiserie. Doch der Protagonist der Videos ist real: Sedat Peker, 49 Jahre alt, eine bekannte Figur der organisierten Kriminalität. Er selbst ist mehrfach verurteilt worden, unter anderem wegen Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Er hat sich im vergangenen Jahr aus der Türkei abgesetzt, um der Strafverfolgung zu entgehen, und lebt nun – wie er selbst sagt – in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Anfang Mai begann Peker seinen Rachefeldzug gegen die türkische Regierung. Bislang hat der türkische Pate acht Videos ins Netz gestellt. Jedes ist etwa eine Stunde lang. Und was Peker darin erzählt, zieht die Türken in den Bann. Allein sein letztes Video vom vergangenen Sonntag wurde mehr als 14 Millionen Mal angeschaut.

Von admin

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