Stille statt Jubel: Die Corona-Krise hat vielen Sportgaststätten den Stecker gezogen. Auch von den Lockerungen profitieren nicht alle Gastronomen. Mit Blick aufs Alter bleibt es für sie eng.

Damals, vor Corona, war die Welt für Jürgen Villwock noch in Ordnung. Wochenende für Wochenende drängelten sich Hunderte Fußballfans in seiner Sportkneipe „Denkmal Lounge“ in Berlin-Mitte, manchmal war es drinnen und draußen so voll, dass gar die Polizei die Straße sperren musste.

Von alldem ist heute nur wenig übrig. Große Fernseher hängen an den Wänden, daneben alte Blechschilder, die die Musiker von ACDC und historische Autos zeigen oder für irische Biere wie Kilkenny und Guinness werben. Ganz hinten, im Regal hinter der Bar, ruht ein kleiner Fußball mit BVB-Logo – dem Lieblingsverein von Villwock.

Zwar steht er selbst dieser Tage wieder hinter dem Tresen, darf eine Handvoll Gäste bedienen, die auf der kleinen Außenfläche der Kneipe Platz finden. Gedrängel und Jubel im Fußballfieber aber, das passt weiter nicht zum Corona-Modus. „Dass ich hier zuletzt viele Gäste hatte, ist schon ein bisschen her“, sagt der 61-Jährige. „Das war nach der ersten Corona-Welle, als wir für drei Monate mal kurz öffnen konnten.“ Doch auch damals galten, ähnlich wie jetzt, strenge Auflagen: Gerade einmal 30 Prozent seiner eigentlichen Kapazität durfte Villwock nutzen. „Mit 30 Prozent Umsatz kann ich aber nicht 100 Prozent der Kosten erfüllen“, sagt das Berliner Urgestein trocken.

Wie Villwock geht es vielen Gastronomen. Deutschlandweit müssen Tausende Wirte, Restaurantbetreiber und Gastronomen seit Monaten jeden Cent einzeln umdrehen, trotz Staatshilfen, trotz Öffnungsperspektiven und Lockerungen, die nun einsetzen. „Viele unserer Betriebe sind am Ende ihrer Kräfte – finanziell, psychisch, emotional“, erklärte zuletzt der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick, in einer Mitteilung.

Von admin

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